Patenschaften: jedem Kind sein eigenes Bett

Die Patenschaften gehen auf das Jahr 1940 zurück. Damals wurden sie für kriegsversehrte Kinder in Frankreich eingeführt, um die sich die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für kriegsgeschädigte Kinder kümmerte, die spätere Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK-Kinderhilfe). Die Schweizer Patinnen und Paten verpflichteten sich, mindestens ein halbes Jahr lang monatlich zehn Franken für ihr Patenkind zu spenden. 

Die Vorteile der Patenschaft 

Die Patenschaft schuf eine persönlichere Verbindung zwischen dem Spender und seinem kleinen Schützling. Zudem bot sie die Möglichkeit, eine neue Form der Beziehung zwischen dem Hilfswerk und den Spendenden aufzubauen. Als Gegenleistung für ihre Unterstützung erwarteten die Patinnen und Paten, dass sie über die Verwendung ihrer Spende informiert wurden. So konnte auch ihre Verbundenheit mit dem Hilfswerk gestärkt werden. Humanitäre Organisationen konnten sich nun nicht mehr auf ihre Hilfsaktionen beschränken, sondern mussten sich auch Gedanken zur Öffentlichkeitsarbeit machen. Heute würde man diesbezüglich von Non-Profit-Marketing sprechen. Die regelmässige Information der Patinnen und Paten über die vor Ort durchgeführten Massnahmen wurde zu einer wichtigen Aufgabe für das SRK. Damit entwickelten sich Fotografien zu einem wesentlichen Instrument der humanitären Arbeit. 

Auch nach Kriegsende wurde das Patenschaftssystem der SRK-Kinderhilfe weitergeführt. Im Zusammenhang mit neuen humanitären Krisen erweiterte sich das Aufgabenspektrum. Dies kommt in der neuen Bezeichnung «Kinderhilfe, Fürsorge, Patenschaften» zum Ausdruck, die 1949 eingeführt wurde. In den ersten Nachkriegsjahren stiessen die Patenschaften schon bald wieder auf zunehmendes Interesse. Nun wurden für die Kinder von deutschen Flüchtlingen, die in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich unter prekären Bedingungen untergebracht waren, spezielle Bettenpatenschaften eingeführt. Mit den Betten, die samt Matratzen, Leintüchern, Kissen und Decken zur Verfügung gestellt wurden, konnten die Wohnverhältnisse der Flüchtlingskinder markant verbessert werden. 

Erfolgreiche Patenschaften in der Schweiz

Aus dieser Hilfsaktion im Ausland entstand die Idee, auch in der Schweiz Kinder von benachteiligten Familien zu unterstützen, die kein eigenes Bett hatten. Ab 1947 führte das SRK deshalb in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Vereinigung gegen Tuberkulose und Lungenkrankheiten eine Bettenaktion für bedürftige Schweizer Familien durch. Hauptsächlich in ländlichen Regionen und in Berggebieten wurden Betten und Bettwäsche abgegeben. Denn dort hatten die ärmsten Familien teilweise zu wenig Platz und Geld, um jedem Kind ein eigenes Bett zu bieten. Um die Weiterführung dieser Aktion zu finanzieren, wurden schliesslich 1954 die Patenschaften für Schweizer Kinder ins Leben gerufen. Die Bettenaktion des SRK, die von moralischen und gesundheitlichen Überlegungen geleitet war, entsprach einem dringenden Bedürfnis. Unter dem Slogan «Jedem sein eigenes Bett» wurden während Jahrzehnten Einzelbetten verteilt. Das 5000. Bett wurde im Januar 1965 einer Familie im Wallis abgegeben. 

In jenen Jahren setzte das SRK immer mehr Mittel für internationale Hilfsaktionen ein. Deshalb erschien es wichtig, die Unterstützung für bedürftige Menschen im eigenen Land nicht zu vernachlässigen. Die Bettenaktion bot Gelegenheit, die nationale Solidarität in Szene zu setzen: Mit mehreren Fotoserien wurden die Verbundenheit mit Benachteiligten und die Menschlichkeit zum Ausdruck gebracht. Ab 1959 wurden die Patinnen und Paten zweimal jährlich mit dem Informationsbulletin «Dank Ihnen» über die Aktionen informiert, die mit ihrer Unterstützung realisiert werden konnten. Mit zahlreichen Fotos wurde darin über die Abgabe von Betten an bedürftige Familien berichtet. Innerhalb von knapp 20 Jahren, bis 1974, konnte das SRK 7283 vollständig ausgestattete Betten verteilen. Dank der Grosszügigkeit der Patinnen und Paten, die für diesen Zweck vier Millionen Franken gespendet hatten. Die Bettenaktion des SRK wurde mit der Zeit ausgeweitet. War sie zuerst den Kindern vorbehalten, hat sie sich schon nach kurzer Zeit der ganzen Familie gewidmet, und ihr Möbel, Kleider oder Nähmaschinen geliefert.

3000 Betten! Beitrag der Schweizer Filmwochenschau vom 22.04.1960 (Schweizerisches Bundesarchiv)
Das 5000. Rotkreuz-Bett, Beitrag der Schweizer Filmwochenschau vom 29.01.1965 (Schweizerisches Bundesarchiv)
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