Der Kampf gegen die Spanische Grippe

Mit 25 Millionen Toten forderte die hochansteckende Spanische Grippe, die im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs grassierte, drei Mal mehr Opfer als der Konflikt selbst. Die mehreren Hundert Todesfälle, die in der Schweiz unter den einberufenen Soldaten verzeichnet wurden, waren nicht auf militärische Operationen, sondern auf diese verheerende Pandemie zurückzuführen. Ausgebrochen war sie im März 1918 in den Vereinigten Staaten. Mit amerikanischen Truppentransportern gelangte sie nach Europa. Als Spanische Grippe wurde sie bezeichnet, weil sich die Infektionswelle mit der höchsten Ansteckungsrate von Süden aus über Europa verbreitete und weil das spanische Königshaus besonders stark betroffen war. 

Die Grippepandemie wurde durch mehrere Faktoren begünstigt: Erschöpfung und Unterernährung der Bevölkerung am Ende eines langen, entbehrungsreichen Zermürbungskriegs, der unzählige Opfer gefordert hatte, umfangreiche Truppenbewegungen aus allen Kontinenten in Verbindung mit Fluchtbewegungen der Zivilbevölkerung, keine Verfügbarkeit von Antibiotika sowie Unkenntnis der viralen Natur der Krankheit. Die Pandemie verlief in drei Wellen. Am meisten Todesopfer forderte die Welle, die sich im Herbst 1918 ausbreitete. In Paris wurden vom 6. Oktober bis 9. November jenes Jahres durchschnittlich 210 Todesfälle pro Tag registriert.

Die Grippe, tödlicher als der Krieg

In die Schweiz wurde die Spanische Grippe wahrscheinlich durch die Züge mit Repatriierten und Internierten eingeschleppt, die das Land durchquerten. In der Zivilbevölkerung forderte sie fast 25'000 Tote (von insgesamt 748'232 gemeldeten Krankheitsfällen). Von den Schweizer Armeeangehörigen, die an der Grenze im Jura Dienst leisteten, erkrankten 40 bis 80 Prozent. Junge Erwachsene waren von der Krankheit besonders stark betroffen. In der Rekrutenschule in Colombier starben 483 junge Männer. Insgesamt fielen der Grippepandemie 1805 Soldaten zum Opfer.

Die Erkrankten wurden in Sanitätseinrichtungen der Armee, in Spitälern und in Sanatorien im Berggebiet gepflegt. Das SRK setzte zur Bekämpfung der Pandemie 742 Krankenschwestern ein: Den Grossteil dieses Pflegepersonals stellten die Krankenpflegeschulen La Source in Lausanne (215 Krankenschwestern) und Lindenhof in Bern (173 Krankenschwestern). 69 Rotkreuzschwestern bezahlten ihren Einsatz mit dem Leben. 

Der Aufruf des Roten Kreuzes Basel vom 26. Oktober 1918

«Aufruf des Roten Kreuzes Basel. 
Für die zahlreichen hier und in der Umgegend an der Grippe erkrankten Soldaten ist ein Krankendepot in der hiesigen Kaserne errichtet und bezogen worden. Es fehlt an Personal zur Pflege und zu allerlei Hilfeleistungen. Wir richten die dringende Bitte an unsere Mitglieder, Samariterinnen und Kolonnenmannschaften, sich sofort in der Kaserne zum Hilfsdienste anzumelden, Zimmer No. 12 (Erdgeschoss). 
Das Personal wird für seine Leistungen bezahlt, im Fall von Krankheit versorgt und ist gegen deren Folgen versichert. Die Begeisterung, womit Jung und Alt in den ersten Monaten dieses langen Krieges zur Hilfeleistung in den Lazaretten sich drängte, sollte wieder aufflammen, jetzt, wo es sich darum handelt, die Soldaten zu pflegen und zu besorgen, die in treuer Pflichterfüllung unsere Grenzen behütet haben. Das Vaterland ruft, folgen wir dem Rufe.
Basel, 26. Oktober. Im Namen des Roten Kreuzes: Emil Bischoff, Präsident» (Quelle: unbekannte Zeitung, siehe nebenstehende Abbildung).

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