Guillaume-Henri Dufour: Gründer des SRK

«Der Krieg scheint Teil unserer Natur zu sein. Er ist eines der grössten Übel, welche die Menschheit heimsuchen. Lindern lässt sich dieses Übel, indem man sich Gedanken zu den Regeln des Krieges macht […]»

Diese Überlegungen hielt Guillaume-Henri Dufour in seinen persönlichen Unterlagen fest, als er an der Militärschule in Thun als Instruktor tätig war. Einer seiner Schüler dort war Prinz Louis Napoleon, der spätere Kaiser Napoleon III. Die Worte lassen einen den Menschen hinter der Uniform erkennen. Und Dufours menschliche Grösse überragt seine Bedeutung als Offizier noch: Während seiner gesamten Laufbahn prägten und leiteten moralische Werte sein Handeln. Seine herausragenden Fähigkeiten als Ingenieur und seine militärischen Leistungen sind hinlänglich bekannt. Mit einer weiteren Facette des Generals ist die Öffentlichkeit hingegen weniger vertraut: Er war auch ein Förderer des Roten Kreuzes und gehörte zu den Gründern des Schweizerischen Roten Kreuzes.

Zusammen mit Henry Dunant, Gustave Moynier, Louis Appia und Théodore Maunoir gründete Dufour am 17. Februar 1863 das Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege (das künftige IKRK). Trotz seines Alters von über 75 Jahren übernahm er den Vorsitz dieses Komitees. Im Anschluss an eine erste internationale Konferenz im darauffolgenden Oktober wurde 1864 das erste Genfer Abkommen unterzeichnet. Damit verpflichteten sich zwölf europäische Staaten, das Los der Verwundeten auf den Schlachtfeldern zu verbessern. An der Konferenz nahmen hauptsächlich militärische Delegierte teil. Dufour, der zum Vorsitzenden der Versammlung ernannt worden war, genoss hohes Ansehen unter ihnen. Seine Voten erwiesen sich als entscheidend, um die vorhandene Hilfsbereitschaft zu bündeln. Auch seine guten Beziehungen zu bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit – namentlich seine Freundschaft mit Kaiser Napoleon III. – förderten die Entwicklung des IKRK. 

Vorwegnahme des «Rotkreuz-Gedankens»

Durch seine Mitwirkung verlieh der hochgeachtete General dem Unterfangen des Internationalen Komitees unbestreitbar moralischen Rückhalt. Auch persönlich war er der Sache aufrichtig und zutiefst verbunden. Wegen seines menschlichen Vorgehens im Sonderbundskrieg (1847) ging Guillaume-Henri Dufour in die Geschichte ein. Die Tagsatzung verlieh ihm dafür den Beinamen «Friedensstifter». Mit seinen Ermahnungen an die eidgenössischen Truppen erreichte er, dass dieser Konflikt besonnen und mit einem Minimum an Opfern beendet werden konnte: 

«Soldaten! Ihr müsst aus diesem Kampfe nicht nur siegreich, sondern auch ohne Tadel hervorgehen […]. Deshalb stelle ich die Kinder, die Frauen, die Greise und die Diener der Religion unter Euren Schutz. Wer Hand an eine wehrlose Person legt, entehrt sich selbst und schändet seine Fahne. Die Gefangenen und besonders die Verwundeten verdienen umso mehr Eure Rücksichtnahme und Euer Mitleid, als ihr euch oft mit ihnen im selben Lager befunden habt […]»

In diesen Ermahnungen eines Armeeführers, die Zivilbevölkerung, die Gefangenen und die Verwundeten zu schonen, kommt das Ideal des Roten Kreuzes bereits vor seiner Zeit zum Ausdruck. 

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